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Online. Macht. Abhängigkeit.

Aktualisiert: 14. Mai 2022

Shaolin Tempel Bodensee I KELISI.ONLINE I OEAD Seminar für Schulen (Begleitmaterial)

 


OEAD-Seminare by KELISI.ONLINE "Denken wie ein Shaolin" & "Digitalen Medien und Du"

Feedback - Shaolin Schulseminar I Rückblick - Shaolin Schulseminar

Prof. Dr. Chris Dorn I OEAD Young Science Botschafter


 

Es geht im Kern um 3 zentrale Fragestellungen...

(Für die Zielgruppe "Jugendliche" adaptiert, deshalb stark verkürzt, und durch einige, für Jugendliche, griffigere Beispiele illustriert.)



 

Inhalt


 

Zu Beginn ein paar Gedanken, die mich seit Jahren bewegen - dich auch?


 

„Unsere Erinnerung macht uns zu dem Menschen, der wir sind. Zu so prägenden Erinnerungen werden nur Eindrücke, die uns tief berühren - im Positiven wie im Negativen. Was aber, wenn man uns Eindrücke vermittelt, die uns zu Menschen machen, die wir gar nie sein wollten?“ (Prof. Dr. Chris Dorn)

Das dem Video zugrundeliegende Essay, habe ich 2003 geschrieben. Der Grund dafür war die selbst 2003 noch anhaltende Fassungslosigkeit, nach den Anschlägen des 11. September 2001 (New York, World Trade Center), die auch bei meinen Studierenden erhebliche Spuren hinterlassen, und ein Unterrichten beinahe unmöglich gemacht haben. Eine Situation, die mir durchaus mit der aktuellen Situation vergleichbar scheint. Meine Intention damals war, einen geschützten Raum innerhalb eines Kommunikationsseminars zu schaffen, in dem all das Unsag- und Undenkbare gesagt und gedacht werden darf. Ziel war es, vor diesem Hintergrund und in diesem Zusammenhang, seine eigene "Digital Story" zu erzählen, um damit einen Prozess einzuleiten, der die Rückeroberung der Kohärenz (stark verkürzt: Vertrauen ins Leben) einläuten sollte, deren tragende Säulen Handhabbarkeit, Sinnhaftigkeit und Verstehbarkeit sind. Diese Säulen, auf denen die Kohärenz eigentlich ruhen sollte, wurden unter den Trümmern der Türme, und den Lügen, begraben. So entstand (an der Fachhochschule Vorarlberg, im Studiengang InterMedia) ein Projekt zur Persönlichkeitsentwicklung, und ein weiteres zur Suchtprävention, die es - basierend auf meiner Methode des Digital Storytelling - sogar auf eine DVD geschafft haben.



Dorn, Ch. (2004)

„Digital Storytelling: Erziehung zur medialen Mündigkeit durch Bildung zur medialen Reflexion." In: Mayer, H.-O. u. Treichel, D. (Hg.): „Handlungsorientiertes Lernen und eLearning: Grundlagen und Praxisbeispiele.“ De Gruyter Oldenbourg; Reprint 2014 Edition.


Dorn, Ch. (2015)

„Digital Storytelling: Pädagogik und Therapie für medial sozialisierte Menschen: Erziehung - Bildung – Heilung“; Verlag BoD, Norderstedt.


 

Und Gedanken, die Hermann Hesse - schon 1927 - bewegt haben...


 

Diese fast 100 Jahre "alten" Gedanken von Hermann Hesse, spiegeln im Prinzip unsere aktuelle Situation wieder: Das Leben ohne Internet, die Übergangszeit hin zum Internet, und jetzt das Leben "mit und durch" das Internet, weil ein "digitales Leben" heute keine frei wählbare Möglichkeit mehr ist, sondern eine unausweichliche, oftmals zwingende Notwendigkeit. Und das ist so, weil wir es - offenbar - so wollen! Technik begeistert, dass steht völlig außer Frage, und gilt sicher nicht nur für junge Menschen. Allerdings ist der für uns sichtbare "Nutzen" der digitalen Technik und Medien, in aller Regel nur Mittel zum Zweck. Das primäre Ziel aller Plattformökonomien wie z.B. Amazon, Facebook etc. ist es - stark verkürzt gesagt, Nutzerdaten zu generieren und, in ihrem Bereich der Wirtschaft, die alleinige Vormachtstellung zu erlangen.


"Jeder Service, den Du im Internet für dich - scheinbar gratis - nutzen kannst, völlig egal ob es ein "Terminplaner" oder ein "Spiel" ist, kostet den Anbieter, der diesen Service bereitstellt, viel Geld und eine Menge Arbeitskraft. Diesen Aufwand betreibt ein Anbieter nur, wenn er dafür mehr zurückbekommt, als er investiert hat. Wenn Du also für eine Dienstleistung im Internet kein Geld bezahlen mußt, kannst du Sicher sein, dass Du mit deinen persönlichen Daten dafür bezahlst. Diese Daten werden erfasst, verkauft und verwertet, und dienen in aller Regel dazu, die Menschen zunehmend mehr zu kontrollieren und mehr zu steuern." (Prof. Dr. Chris Dorn)

 

Beim Thema Digitalisierung und Medienwirkung gibt es zahlreiche Widersprüche - hier beispielhaft nur zwei...


 

(Quelle: OECD, 2017)


 


 

Bio-Psycho-Soziales Modell


 



Das bio-psycho-soziale Gesundheitsmodell beschreibt die Dimensionen, von denen die "gefühlte" Gesundheit des Menschen "abhängt": Den Körper, die Psyche, die darüber entscheidet, wie wir Dinge erleben, und uns, basierend darauf, verhalten, und die vier Instanzen, die uns "sozial" beeinflussen und prägen, die sog. Sozialisationsinstanzen.


 

Salutogenesemodell


 

Das Salutogenesemodell stellt die Frage, "Was erhält den Menschen gesund?", während das noch immer vorherrschende pathogenetische Modell der Bio-Medizin die Frage stellt, "Was macht den Menschen krank?". Der zentrale Faktor der Salutogenese, also der Faktor, der hauptsächlich bestimmt, was einen Menschen gesund bleiben lässt, heißt "Kohärenz". Das bedeutet etwas vereinfacht, dass man erwarten können muss, dass, wenn man sich anstrengt, und das nötige tut, sich die Dinge auch so entwickeln, wie man es anstrebt und erwartet. Dieses Kohärenzgefühl, also das "Vertrauen ins Leben", hängt dabei maßgeblich von drei Faktoren ab, von...


  • Handhabbarkeit

  • Sinnhaftigkeit

  • Verstehbarkeit


Unser aktuelles Leben ist aber alles andere als handhabbar, sinnhaft oder verstehbar, ganz im Gegenteil. Viele Menschen haben eben kein Kohärenzgefühl mehr, und anstatt Vertrauen ins Leben, erleben sie zunehmend Verunsicherung und Angst. In so einer Situation kommt es ganz entscheidend darauf an, das Kohärnezgefühl zu stärken, damit man nicht in Stress gerät, dadurch unnötig viel Energie verliert, und am Ende psychische Probleme bekommt (siehe Grafik oben).


Der Sohn von J. R. R. Tolkien, Christopher, hat diesen Zustand, und das sich daraus ableitende Gefühl, sehr treffend beschrieben. Als man ihn gefragt hat, warum er denkt, dass die Menschen den "Herr der Ringe" so sehr lieben, und warum diese Liebe von Generation zu Generation weitergegeben wird, hat er folgendes gesagt, und damit praktisch den Verlust des Kohärenzgefühls beschreiben:


„Es steckt nichts Mysteriöses dahinter, warum das Werk meines Vaters eine so starke und weite Anziehungskraft ausübt. Sein Genie hat schlichtweg den Ruf der Menschen aller Altersklassen und jeden Temperaments geantwortet, die so angeödet sind von der Hässlichkeit, der Schnelllebigkeit, den falschen Werten, den aalglatten Philosophien, die man ihnen als trostlosen Ersatz gegeben hat für die Schönheit, das Gefühl für Geheimnis, Erregung, Abenteuer, Heldenmut und Freude, ohne die die Seele des Menschen allmählich verkümmern muss und schließlich stirbt.” (Christopher Tolkien in M. Nagula, Tolkiens Welt Seiten 53 – 54.)


 

Bio-Psycho-Soziale Kommunikation


 


Medien sind mittlerweile der mächtigste Sozialisationsfaktor. Sie binden mehr Zeit und haben mehr Einfluss auf unsere Entwicklung, als die Gruppe der Gleichaltrigen (Peergroup), das Elternhaus oder die Schule.


 

Medialisierung der Gesellschaft I Schritt 1 (bis ca. 1980)


 

Zu Beginn der "Medialisierung", bis in die 1950ziger Jahre, ging es primär um Propaganda. Nach den Kriegen (WK 1 + 2), bis in die späten 1970ziger Jahre, ging es zunächst zunehmend um Information, und dann immer mehr um Unterhaltung. Nachfolgend ein paar Punkte, die eine Vorstellung vermittelen, von der Haltung, die in dieser Zeit vorherrschend war. Ab den 1980ziger Jahren ging es dann immer mehr um die Beeinflussung von Verhalten. Die Jugend entdeckt eine neue Welt und beansprucht ihren Platz darin:


Blitzlichter der Zeit bis ca. 1980



 

Medialisierung der Gesellschaft I Schritt 2 (ab ca. 1980)


 

Blitzlichter der Zeit ab ca. 1980


Live Aid - deshalb war es so wichtig!


Ein Weckruf an die Politik, Live Aid - das größte Rock-Konzert aller Zeiten: Rund um die Uhr, in Philadelphia und London, mit den größten Pop-Musikern dieser Zeit und gegen ein Hungerkatastrophe biblischen Ausmaßes.



Im Vorfeld zu "live aid" hatte Michael Jackson - in nur einer Nacht - "We are the world" geschrieben, einer der bekanntesten und meistverkauften Pop-Songs der Welt.




Weitere Blitzlichter der Zeit ab ca. 1980


 

Doppel- & Scheinmoral


Falco: Jeanny (1985/86)


 

Homophobie & Outing


 

ADHS wird zum Thema (Aufmerksamkeitsdefizit / Hyperaktivität)

Die Grafik (Der Spiegel) zeigt die Menge der pro Jahr in Deutschland verschriebenen Tages-Dosen des Wirkstoffs "Methylphenidat" (Handelsname: Ritalin), im jeweiligen Jahr. Der aktuelle Wert liegt derzeit bei über 80 Mio. Tagesdosen pro Jahr.